Surfen in Marokko im Juni heißt vor allem: früh aufstehen. Mit dem Sommer setzt der Nordwind ein, der die Küste bis in den Herbst begleitet, und er baut sich über den Tag auf. Der Morgen gehört dem Wasser, der Nachmittag dem Schatten. Dazu fällt die Dünung auf ihr Jahresminimum, im Schnitt 0,7 Meter bei acht Sekunden: kurze, nahe Windsee statt langer Atlantikdünung.
Am Sand reicht das für eine Anfängerwoche. Banana Beach ist an drei von sieben Tagen sauber, mit surfbarer Dünung und einem Wind, der sie nicht zerhackt, und die Bucht von Imsouane ebenso. An den Points sieht es anders aus: An Killer Point kann eine Woche ohne eine einzige Session vergehen, Boilers, Hash Point und Cathedral Point kommen auf einen Tag. Die exponierten Felsnasen verlieren ihre Tage an den Wind, Hash Point im Dorf an eine Dünung, die schlicht nicht ankommt.
Dafür ist der Juni der stillste Monat des Jahres. Andrang und Preise sind niedrig, die europäischen Schulferien haben noch nicht begonnen, und an keinem einzigen Tag im Monat regnet es. Die Luft hat 26 Grad, das Wasser 20, und die Tage sind die längsten des Jahres, rund vierzehn Stunden Licht: Wer früh im Wasser war, hat den ganzen Rest des Tages frei.
Wer Points sucht, findet sie im Juni in Mittelamerika und im südlichen Afrika, nicht hier. Marokko gibt einem Anfänger im Juni drei saubere Tage von sieben, niedrige Preise und keinen Regen, einem Könner an den Points fast nichts.

