Im Mai kippt die marokkanische Küste vom Ziel für Wellenjäger zum Ziel für Leute, die lernen. Die Periode fällt von elf auf acht Sekunden, und damit kommt keine Dünung mehr aus dem fernen Atlantik, sondern Windsee aus der Nähe: kleiner, weicher, und auf einer Sandbank genau richtig.
Banana Beach und die Bucht von Imsouane sind an drei von sieben Tagen sauber, mit surfbarer Dünung und einem Wind, der sie nicht zerhackt. Die Points dagegen sind so gut wie weg: Killer Point, Boilers und Cathedral Point kommen je auf einen Tag, Hash Point auf zwei. Wer im Mai wegen Anchor Point kommt, findet eine Felsnase, die auf eine seltene Dünung wartet.
Alles andere steht auf dem Jahreshoch. 9,6 Sonnenstunden am Tag, mehr als in jedem anderen Monat, ein einziger Regentag, 24 Grad Luft, und das Wasser steigt auf 19 Grad, genug für einen 3/2. Mit gut dreizehn Stunden Licht passen eine Session am Morgen und eine am späten Nachmittag bequem in den Tag. Andrang und Preise fallen auf niedrig; so günstig ist eine Woche an dieser Küste sonst nur im Juni.
Der Mai ist damit ein Monat für Leute, die lernen wollen, ohne Gedränge und zum kleinen Preis. Am Banana Beach in Tamraght stehen nur wenige Schulen, dein Lehrer hat Zeit für dich, und abends ist das Dorf still; wer allein kommt und Gesellschaft sucht, schläft in Taghazout, zehn Autominuten nördlich. Wer die Points sucht, fliegt im Mai besser nach Nicaragua oder Südafrika.

